6. April 2010
Fragt man die SchülerInnen, dann war die Schule schon immer recht selbständig, allgegenwärtig und bestimmend. Direktoren, heute SchulleiterInnen genannt, bestimmten über das Wohl und Wehe der anvertrauten Zöglinge, und nur ganz mutige wagten es, an die Existenz von Schulamt, Schulrat und Kultusminister auch nur zu denken, geschweige denn, dass man sich getraut hätte sich in einer Abi-Klausur die Antworten aufs Handy zu simsen.
SchülerInnen empfinden diese selbständige Schule manchmal als etwas orientierungslos. Ständig neue Zeugnisformulare, neue Bewertungsmasstäbe, Kopfnoten, Verhaltensregeln usw. - da könne man schon mal den Eindruck bekommen, die LehrerInnen würden ihre Schule als Laboratorium verstehen und ihre SchülerInnen als Versuchskaninchen. Doch, ganz wie bei allen anderen Tierversuchen, muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es hier um Menschen geht, auch wenn sie ab einem gewissen Stadium der Reife ganz und gar nicht mehr niedlich sind.
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Kategorie Wissensluecken, Krebs
6. April 2010
oder: warum heisst die Männerklinik eigentlich Krankenhaus?
Seit 130 Jahren gibt es in meiner werten Heimatstadt eine Frauenklinik. Eine Männerklinik gibt es meines Wissens nach nicht, auch eine Herrenklinik suchte ich bislang vergebens. Als Kind hatte mich diese scheinbar willkürliche Einteilung immer irritiert: da gab es die HNO (Hals-Nasen-Ohren-)Klinik, die Kinderklinik, die Zahnklinik, und eben die Frauenklinik. Das Kinder ein eigens auf sie zugeschnittenes Behandlungssystem brauchten, war mir damals klar. Schliesslich waren wir auch in Kindergarten und Schule nach Alter sortiert. Doch die Frauenklinik verwirrte mich. War etwa Frau-sein an sich schon eine Krankheit? Um die Männer und das Mann-sein wurde nicht so viel aufhebens gemacht, fand ich damals.
Heute weiss ich, warum das Bestehen der Frauenklinik mit soviel Stolz gefeiert wird. Denn seit 130 Jahren ist, zumindest in meiner Heimatstadt, wenn auch stets unausgesprochen, für jeden klar, dass alle anderen medizinischen Einrichtungen Männerkrankenhäuser sind. Dort werden Männer von Männern behandelt nach einem Männlichkeitsideal, mit dem die Männer sich selbst auseinandersetzen müssen. Frauen haben hier seit 130 Jahren ein eigenes Haus, in dem sie … von Männern behandelt werden. Nach einem Weiblichkeitsideal, mit dem sich Frauen in den letzten Jahrzehnten sehr gründlich auseinandergesetzt haben.
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Kategorie Wetterweisheiten, Sprachblueten
6. April 2010
Vorneweg: Der so fragt, bekennt sich selbst als Mann. Er bekennt weiter, dass es ihn nervt, immer mit allen Männer gemeinsam über einen Kamm geschoren zu werden. Muss das so sein, fragt er deshalb.
Antwort: “Im Prinzip ja. Täten sie es nämlich nicht, bräche morgen unsere Wirtschaft zusammen. Und, bricht morgen unsere Wirtschaft zusammen? Im Prinzip ja. Denn die Männer reagieren eben nicht völlig synchron, quasi im Gleichschritt. Es soll immer noch Männer geben, die bereits älter als zehn sind und noch nie einen Playboy in der Hand hatten. Also bitte, immer beim Nachbarn mitlesen, das geht auf die Dauer nicht! Männer reagieren eben nicht völlig synchron, und das, was einen Mann von einem anderen unterscheidet, ist meist noch weit mehr als der Name der bevorzugten Biermarke. Eben darum, weil Männer eigenständige Wesen sind, ist es so wichtig, dass sie in allen Medien, auf allen Werbeplakaten, in allen Hollywoodfilmen und in allen Ratgebersendungen für Heimwerker immer wieder gesagt bekommen: SO sind Männer. SO seid ihr. Also seid auch SO! Noch Fragen?!”
Kategorie Ansichtssachen, Loewin
6. April 2010
Auch wenn ich es mir nicht leisten kann, ich lese immer wieder gerne die Testberichte über Neuerscheinungen auf dem Fahrzeugmarkt. Dann weiss ich wenigstens, welches Gefährt mich da gerade unter Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit überholt und welches hoffnungslos untermotorisierte Wägelchen den makaberen Anlass für dieses Manöverchen bot.
Obwohl es ‘das Auto’ heisst, gibt es Herren und Damen unter den Pkws. Einfühlsame Redakteure wissen das, und gehen entsprechend darauf ein. So gibt es zum ’süßen Damenauto zum verlieben’ auch nur ein ‘Kleines Datenblatt’, mehr würde wohl nicht in das zu kleine Handschuhfach passen. Herrenautos benötigen kein ‘Datenblatt’, denn alle wichtigen technischen Daten sind ausführlich im Text nachzulesen, da, wo beim Damenauto was von ’süß’, ‘wendig’ und ’sportlich’ steht. Auch braucht das Herrenauto nicht in der Überschrift als solches angekündigt zu werden, denn Herrenautos haben Namen, Markennamen, und mit diesen möchten sie auch bitteschön angesprochen werden.
So leiste ich denn mit der Lektüre solcher schlichten Fahrberichte einen wichtigen Beitrag zu meiner Allgemeinbildung. Sollte ich mich je entschliessen, eine Dame zu werden (Frau sein reicht mir bis jetzt völlig aus), müsste ich dafür selbstverständlich ein Damenauto fahren. Auf keinen Fall sollte ich mir ein Herrenauto zulegen, das könnte zu ungewollten Gerüchten über meine sexuelle Orientierung führen. Bleiben nur noch die Neutralautos übrig. Solche, die jeder fährt, der selbst nichts zu sagen hat aber trotzdem irgendwie mobil bleiben muss. Menschen wie du und ich, die nichts darauf geben was die Leute von ihnen halten. Solche Autos, bei denen nicht mal am Überholverhalten oder am Vorfahrtsgebaren abgelesen werden kann, ob sie von einer Frau oder einem Mann gesteuert werden.
Aber gibt es solche Autos überhaupt?
Kategorie Wissensluecken, Sprachblueten
29. Januar 2010
“Dann hätte ich das alles gar nicht tun müssen?”
“Nein.”
“Dann habe ich …”
“Richtig. Sie haben die Auszeichnung ‘Menschen des Jahres’ bekommen, und deshalb wollte ich mich mit Ihnen darüber unterhalten, wie es ist … Frau Schmiedemüller? Frau Schmiedemüller, alles in Ordnung?”
Erst leise, dann immer lauter, kichert Frau Schmiedemüller vor sich hin. Nervös blättere ich in meinen Unterlagen. “Kommen wir am besten zu den Fragen, ja? Also, wie fühlen Sie sich als Preisträgerin in der Kategorie …” Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Maerchentanten, Steinziege
29. Januar 2010
Passend zum neuen Jahr hat die Schönheitsindustrie ein paar neue alte Trends für uns, für diejenigen unter uns, die immer noch nicht wissen, wohin mit ihren Kredits. Der Retro-Trend geht diesmal in die Richtung der 2100-Jahre (wiederaufgegriffen bereits in den Jahren 2160, 2280 und 2310) und dreht sich um die Pigmentierung der Haut. Ursprünglich wichtigstes Mittel zum Schutz gegen die gesteigerte Sonneneinstrahlung, wurden die Pigmentierungscremes mittlerweile weiterentwickelt und stehen dieses Jahr in den modischen Farben: krebs-grün, sonnen-violett und baum-rot zur Verfügung.Ganz wagemutige werden vielleicht auch die Pigmentierung ‘Schottendicht-Karo’ wählen. Es wird also auf jeden Fall ein reizvoll-bunter Sommer, mit vielen pigmentierenden Ein- und Ausblicken. Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Zwillinge, Sommer
29. Januar 2010
Mit großem Pomp wurde vor einigen Jahren die erfolgreiche Alphabetisierung des letzten Analphabeten des Alpha-Quadranten gefeiert. Mithin sind nun alle Lebensformen in der Lage, ihre Steuererklärung selbständig auszufüllen, sowie die monatlichen Mitteilungen des Föderationsrates zur Kenntnis zu nehmen.
Damit glaubte man sich aller Sorgen ledig, doch nun zeichnet sich ab, dass die Alphabetisierung nur ein erster Schritt in die Wissensgesellschaft war.
Als erstes fiel auf, dass das Mitteilungsbedürfnis einen erheblichen Ressourcenverbrauch darstellt, prompt wurden nämlich die Kuhhäute knapp. Später fiel langsam auf, dass vor dem Fabulieren das Formulieren kommt. Es reicht bei weitem nicht aus, die Buchstaben in ihrer alphabetischen Reihenfolge aneinander zu reihen, um zum Beispiel einen guten Artikel zu schreiben. Inzwischen gibt es an jeder Ecke Formulierungskurse, in denen Punkte, Kommas und Leerzeichen sowie die richtige Verwendung selbiger gelehrt werden. Geübte Formulierer wechseln ihren Schreibstil wie andere die Schriftart.
Jetzt jedoch kristallisiert sich heraus, dass auch das Verfügen über Inhalte unerlässlich ist. Eingeweihte sprechen hier von einem Dreiklang: Syntax, Semantik, Pragmatik. Doch während die Syntax über den Zeichenvorrat des Alphabets wohldefiniert ist, die Semantik klaren Regeln folgt, fristet die Pragmatik oftmals ein verleugnetes Schattendasein. Warum eigentlich? Wir haben Meinungsfreiheit, wir haben Pressefreiheit, wir haben sogar die Freiheit uns unsere Seeligkeit selbst zusammenzuzimmern. Was also fehlt? Der Mut - zur Freiheit?
Kategorie Ansichtssachen, Waage
29. Januar 2010
Traditionell auf Satire orientierte Zeitschriften kommen immer mehr in Bedrängnis.
Durch den Ideenklau selbst seriöser Tageszeitungen werden sie zunehmend unglaubwürdig für ihre Leser. Unlängst wurde sogar die beliebte “Karl-Ranseier”-Serie abgekupfert. In recht einfallsloser Weise müssen nun bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Religion für diese geschmacklose Form von Real-Satire herhalten. Wir fordern: Schluss damit!
Kategorie Kuh, Sommer
29. Januar 2010
Zeit ist relativ- wenn zwei Personen sich zeitgleich am selben Ort aufhalten, sind sie nicht zwingend zur selben Zeit am selben Ort - der Volksmund nennt das Begriffsstutzigkeit.
Auf umfangreichen Studienreisen konnte der renommierte Zeitforscher W. Crusher dies nun auch für ganze Ortschaften beweisen. Während mancherorts die Zeit schlicht stillsteht, vergeht sie andernorts sichtbar langsamer als anderswo. W. Crusher krönte sein Lebenswerk kurz vor der Pensionierung nun mit der Erfindung des Temp-o-meters. Dieses funktioniert ähnlich wie das Thermometer. Relativ zu einer als Nullpunkt angenommenen Ortslage wird angegeben, um wieviel schneller bzw. langsamer die Zeit am Ort der Messung vergeht.
Bei ersten Einsätzen mit dem Temp-o-meter sammelte W. Crusher die folgenden spektakulären Ergebnisse: die unbelebte Natur bewegt sich weitgehend im heutigen Zeitrahmen, während sich die belebte Natur durchschnittlich ca. 200 Jahre im Rückstand befindet. Besonders gravierend wird dieser Unterschied bei der Betrachtung humanoider Lebewesen: In einer normalen Stadt unseres Jahrhunderts leben ca. die Hälfte aller Bewohner nicht in der Gegenwart, sondern in einem imaginären Zeitrahmen, den es so eigentlich nie gab. Sie glauben fest daran, dass früher alles besser war, und ignorieren dabei völlig ihre Verantwortlichkeit für die Gegenwart.
Wie uns W. Crusher aber versicherte, vergeht trotz anderslautender subjektiver Empfindungen die Zeit zwar immer kreisförmig, aber nichts desto trotz spiralig nach oben und unten. Die Geschichte wiederholt sich daher niemals, höchstens als Farce oder als Tragödie. Aber das, so meint W. Crusher voller Zuversicht in die humanoide Erkenntnisfähigkeit, hätten wir doch längst gemerkt, oder?
Kategorie Liebesperlen, Loewin
29. Januar 2010
Sie haben sicher schon geargwöhnt, ganz arg sogar, dass da was im Argen ist, mit unserem Wetter. Ist Wetter bestechlich? Lassen wir die Fakten sprechen:
2002: Ein vierschrötiger Polits-Men steht zur (Wieder-?)Wahl, und prompt kommt Wahlkampfhilfe aus dem roten Osten - lassen die Genossen doch einfach die Elbe länderübergreifend die Ufer übertreten, und eine nie gekannte Wählerschwemme ergiesst sich in die bereit gestellten Wahllokale, um dieser Leistung Achtung, Tribut, naja, eben eine Wählerstimme zu zollen. Waren das wirklich nur alte sozialistische Verbindungen, geknüpft im Bruderkuss in besseren Tagen? Oder sollte doch gar das Wetter selbst …?
2005: Goldener Oktober auf den Herbst vorverlegt - wer erinnert sich nicht? Golden war das Wetter, und schwarz-rot hinterher die Regierung. Wenigstens scheint unser Wetter patriotisch zu sein. Obgleich da eine leichte Tendenz zum Roten erkannt werden kann. Obgleich, in Verbindung mit den Grünen - nein, ausgeschlossen, die schickten dann ja Vogel-V-Männer durch die Republik, um - ja, um was eigentlich? Wozu brauchen die diese seltsamen Schutzanzüge? Gibt es da etwas, dass wir hätten wissen müssen? Und warum wollte man Ein-Euro-Jobber dafür einsetzen? Die sich ihre Schutzanzüge natürlich selbst mitbringen mussten, zuzüglich der Kosten für Anfahrt und Entsorgung? Und: wo waren diese Horden von toten Vögeln in den vergangenen Jahren?! Haben die Schweine sich tatsächlich bei den Möwen angesteckt? Bahnt sich da ein neuer Gammelfleisch-Skandal an!? Gut, dass wir jetzt endlich schwarz sehen. Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Wetterweisheiten, Wasserfrau